Ethanol: Gefahrensymbole, H-Sätze und sicherer Umgang

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Olivier Hoefer·Geschäftsführer OYSI GmbH

Ethanol (CAS 64-17-5) begegnet mir täglich im Chemikalien-Handel: als Lösungsmittel, Desinfektionsmittel, in der Pharmazie und Kosmetik. Es ist einer der am häufigsten verwendeten Stoffe überhaupt — und gerade deshalb wird die Gefahrstoffkennzeichnung oft unterschätzt. Hier erkläre ich die GHS-Symbole, H-Sätze und den sicheren Umgang aus der Praxis.

Gefahrensymbole: Welche GHS-Piktogramme gelten für Ethanol?

GHS02 Gefahrensymbol: Entzündbar – Flamme
GHS02Flamme
GHS07 Gefahrensymbol: Gesundheitsschädlich/Reizend – Ausrufezeichen
GHS07Ausrufezeichen
Signalwort: Gefahr

Ethanol trägt zwei GHS-Piktogramme: GHS02 (Flamme) wegen seiner leichten Entzündbarkeit, und GHS07 (Ausrufezeichen) wegen seiner reizenden Wirkung. Das Signalwort ist „Gefahr" — die höchste Warnstufe. In der Praxis bedeutet das: Ethanol muss als leicht entzündbare Flüssigkeit behandelt werden. Mehr zu GHS02.

H-Sätze: Was sagen die Gefahrenhinweise?

CodeGefahrenhinweis
H225Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar
H319Verursacht schwere Augenreizung

Der H225 ist der entscheidende Hinweis: Ethanol hat einen Flammpunkt von nur 13 °C. Das heißt: schon bei Raumtemperatur bilden sich zündfähige Dampf-Luft-Gemische. In der Praxis heißt das: offene Flammen, Funken und heiße Oberflächen in der Nähe von Ethanol sind tabu. Mehr zu H225.

P-Sätze: Die wichtigsten Sicherheitshinweise

CodeSicherheitshinweis
P210Von Hitze, heißen Oberflächen, Funken, offenen Flammen fernhalten. Nicht rauchen.
P280Schutzhandschuhe / Schutzbrille tragen.
P305+P351+P338BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang vorsichtig mit Wasser spülen. Kontaktlinsen entfernen.
P403+P235An einem gut belüfteten Ort aufbewahren. Kühl halten.

Praxistipps: Sicherer Umgang mit Ethanol

Aus meiner Erfahrung im Chemikalien-Handel sehe ich immer wieder dieselben Fehler beim Umgang mit Ethanol. Hier die wichtigsten Praxisregeln:

Lagerung

  • Lagerklasse 3: Ethanol gehört in die Lagerklasse 3 (entzündbare flüssige Stoffe). Es darf nicht zusammen mit Oxidationsmitteln oder starken Säuren gelagert werden.
  • Temperatur: Kühl lagern, idealerweise unter 25 °C. Bei höheren Temperaturen steigt der Dampfdruck erheblich.
  • Behälter: Nur in zugelassenen, dicht verschlossenen Behältern. Edelstahl oder HDPE sind geeignet. Kein PVC.
  • Erdung: Bei Umfüllvorgängen immer elektrostatische Aufladung vermeiden — Ethanol-Dämpfe sind explosionsfähig.

Arbeitsschutz

  • Schutzbrille ist Pflicht — H319 (schwere Augenreizung) ist kein theoretisches Risiko. Ein Spritzer genügt.
  • Handschuhe: Nitrilhandschuhe sind ausreichend. Latexhandschuhe bieten keinen guten Schutz gegen Ethanol.
  • Absaugung: In geschlossenen Räumen immer für gute Belüftung sorgen. Der AGW (Arbeitsplatzgrenzwert) liegt bei 960 mg/m³.

Erste Hilfe

  • Augenkontakt: Sofort 15 Minuten mit Wasser spülen. Kontaktlinsen entfernen. Arzt aufsuchen.
  • Hautkontakt: Mit Wasser und Seife waschen. Ethanol trocknet die Haut stark aus — bei regelmäßigem Kontakt Hautpflege verwenden.
  • Verschütten: Mit saugfähigem Material (Vermiculit, Sand) aufnehmen. Zündquellen fernhalten!

Transport: UN-Nummer und ADR-Klassifizierung

UN-Nummer
1170
ADR-Klasse
3
Verpackungsgruppe
II
Tunnelcode
D/E

Ethanol wird unter der UN 1170 transportiert. Die ADR-Klasse 3 (entzündbare flüssige Stoffe) mit Verpackungsgruppe II bedeutet: mittlere Gefahr. Für den Transport in Mengen über 333 Liter benötigt der Fahrer einen ADR-Schein. Alle ADR-Details finden Sie auf unserer Ethanol-Datenblattseite.

Typische Anwendungsgebiete

  • Desinfektion: Ethanol in Konzentrationen von 70–80 % ist eines der wirksamsten Desinfektionsmittel. In Krankenhäusern, Laboren und der Lebensmittelindustrie ist es Standard.
  • Lösungsmittel: In der pharmazeutischen Industrie, bei der Herstellung von Tinkturen, Extrakten und Farben.
  • Kosmetik: Als Lösungsmittel und Konservierungsmittel in Parfüms, Deodorants und Hautpflegeprodukten.
  • Lebensmittelindustrie: Zur Extraktion von Aromen, als Trägerstoff und in der Reinigung.
  • Laborchemikalie: Als Standardreagens und Reinigungsmittel in analytischen und synthetischen Laboren.
  • Reinigung: Industrielle Reinigung von optischen Bauteilen, Elektronik und Präzisionsteilen.

Vollständige Sicherheitsdaten

Alle CAS-Daten, GHS-Klassifizierung, ADR-Transportdaten und mehr auf unserer Ethanol-Datenblattseite.

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Quellen